Home-Office: Ein Arbeitsmodell, das gekommen ist, um zu bleiben?

Hier erfährst Du, wie Unternehmen den Herausforderungen von Home-Office-Regelungen entgegenwirken können und wie die Zukunft unserer Arbeitsgesellschaft aussehen könnte.

Die COVID-19 Pandemie hat zwangsläufig dazu geführt, dass eine Vielzahl der Beschäftigten ins Home-Office versetzt wurden und die Wochenarbeitszeit im Büro stark nachgelassen hat. Viele Arbeitnehmende träumen von flexiblen Arbeitszeiten und dem mobilen Arbeiten – und dieser Traum ist für viele jetzt wahr geworden. 

 

Wir wollen wissen, was Mitarbeitende wirklich nach vielen Monaten Home-Office denken. Ist es wirklich ein Vorteil von zu Hause aus zu arbeiten oder hat uns eher die Vorstellung gefallen? Sind die vermeintlichen Vorteile wirklich ein Mehrwert für Mitarbeitenden? Und was müssen Arbeitgeber in Zukunft leisten, um den Anforderungen der Arbeitnehmenden gerecht zu werden? Das und vieles mehr erfährst Du in diesem Artikel!

Das Home-Office bezeichnet den heimischen Arbeitsplatz. In der Regel bezieht sich der Begriff auf die Mitarbeitenden eines Unternehmens, die von zu Hause aus arbeiten. Allerdings bezeichnen auch viele Selbständige und Freelancer ihr Büro in den eigenen vier Wänden als Home-Office. Für das Gelingen von Arbeitsplätzen außerhalb des Büros müssen in der Regel bestimmte technische Mindestanforderungen erfüllt sein, wie beispielsweise eine stabile Internetverbindung oder ein internetfähiges Gerät.

Für viele Mitarbeitende bietet das Arbeiten von zu Hause einen echten Mehrwert. Flexible Zeiteinteilung, freie Wahl des Wohnortes, Zeiteinsparung aufgrund wegfallender An- und Abreise, die Möglichkeit, sich um Familienmitglieder oder Haustiere zu kümmern, sind nur einige der Vorteile, die Arbeitnehmende im Home-Office genießen können. Laut einer repräsentativen Befragung im DAK-Gesundheitsreport 2020 mit 7.000 Erwerbstätige reduziert sich der tägliche Stress der Mitarbeitenden aufgrund Home-Office und digitalen Arbeitslösungen um 29 %.   

 

Ebenfalls profitieren Unternehmen von Home-Office Regelungen: Sie können Ausfälle von Mitarbeitenden aufgrund ausbleibender Infektionen reduzieren, Prozesse durch digitale Lösungen beschleunigen oder Büroräume flexibler nutzen und Kosten für größere Büroflächen einsparen. 

Das Home-Office bietet also nicht nur für Arbeitnehmende, sondern auch Arbeitgeber eine Vielzahl an Vorteilen. Es ist daher keine Überraschung, dass eine aktuelle Umfrage im Dezember 2021 bis Januar 2022 des ZEW Mannheim mit 1200 teilnehmenden Firmen aus der Informationswirtschaft und dem verarbeitenden Gewerbe ergab, dass fast jedes zweite Unternehmen plant, nach der Pandemie ein hybrides Arbeitsmodell anzubieten. Laut dem ZEW-Wissenschaftler Daniel Edsiek, planen 37 % der Unternehmen die Mitarbeitenden drei Tage die Woche ins Home-Office zu schicken – das sind dreimal so viele Unternehmen wie vor Beginn der Pandemie. 

Ist das Home-Office das neue Instrument für die Bindung der Mitarbeitenden und die Stärkung der Zufriedenheit in Unternehmen? 

Eine Studie der Universität Leipzig unter der Leitung von Prof. Dr. Hannes Zacher beschäftigt sich seit Ende 2019 bis heute mit dem Thema Home-Office und wie sich die Meinung der befragten Beschäftigten zu dem Thema entwickeln. Da die Studie noch vor der Corona-Pandemie gestartet ist, bieten die erhobenen Daten einen tollen Vergleichswert und geben Aufschluss darüber,  welchen Einfluss die Pandemie auf unsere Arbeitsgesellschaft und ihrer Entwicklung hat. In der Auswertung kann die gesamte Phase der Pandemie überblickt und näher erforscht werden.  

Im Rahmen der Studie werden jeden Monat rund 1000 Beschäftigte aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen zum Thema Home-Office, Stressempfinden oder der Zufriedenheit im Job befragt. Die Umfragewerte beziehen sich daher jeweils auf die letzten vier Wochen einer Befragungsperiode.

Die Zahl der Erwerbstätigen, die im Home-Office oder zumindest teilweise im Home-Office arbeiten
  • Dezember 2019: 26,8 % → vor Corona
  • Mai 2020: 60,5 % → erster Lockdown
  • März 2021: 64 % → höchste gemessene Zahl im Zeitraum von zwei Jahren (Lockdown 2)
  • Januar 2022: 58 % → aktuelle Zahlen

*Studie der Universität Leipzig – Handelsblatt GmbH, 2022

Die Grafik zeigt deutlich, dass die Zahl der Erwerbstätigen, die im Home-Office oder zumindest teilweise im Home-Office arbeiten im Laufe der Pandemie oder genau wegen dieser, enorm angestiegen ist. Das hängt einerseits natürlich mit den Gesetzten und Pflichten der Arbeitgeber zusammen, um die Belegschaft zu schützen, auf der anderen Seite haben sich Arbeitnehmende an das Home-Office gewöhnt und genießen die damit einhergehenden Vorteile. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Befragten im Januar 2022 angaben, dass ihre Wochenarbeitszeit am heimischen Arbeitsplatz fast 58 % beträgt. Im April 2020 hingegen waren es noch knapp 30 %. Mit dem Blick auf die Zukunft und die Infektionszahlen wird ebenfalls deutlich, dass das Home-Office auch zunächst nicht mehr wegzudenken und für viele Unternehmen zwangsläufig angeboten werden muss, um die Belegschaft vor einer Erkrankung und Infektion zu schützen. 

Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden nimmt tatsächlich in den letzten Jahren etwas zu. So ist der Wert von 3,84 (3 = mittelmäßig zufrieden/ 4 = eher zufrieden) im April 2020 auf 3,97 im Januar 2022 gestiegen. Das macht in Prozent zwar nur eine Steigerung von etwa 2 % aus, aber zeigt, dass die Beschäftigten im Home-Office eher zufrieden als unzufrieden sind. Zudem ist zu beachten, dass auch die Zahl der Arbeitnehmenden im Home-Office stark zugenommen hat und die Zufriedenheit der Beschäftigten gestiegen oder gleich geblieben ist, was verdeutlicht, dass das Arbeiten von zu Hause in den meisten Fällen nicht unglücklich macht. 

Wie ebenfalls eine ClickMeeting Studie zum Thema Home-Office  im Jahr 2021 mit 731 Probanden bestätigt, arbeiten 66 % der Befragten „gerne“ oder sogar „äußerst gerne“ im Home-Office. Nur 9 % sprechen sich gegen das Arbeiten von zu Hause aus. 70 % der Probanden empfinden mobiles Arbeiten als besonderen Vorteil, da die Anreise zum Büro wegfällt und mehr Zeit zum effizienten und freien Arbeiten bleibt.  

Auch ein Blick auf Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes zeigen laut einer Umfrage des ZEW im Juni 2020 eine Steigerung der Home-Office-Lösungen seit Beginn der Corona-Krise. Blue Collar Unternehmen stehen in Bezug auf das Home-Office vor eine sehr große Herausforderung: Die Arbeitnehmenden an den heimischen Arbeitsplatz zu schicken ist häufig nicht möglich, da die Tätigkeiten in der Regel die Präsenz der Beschäftigten erfordert. Doch auch hier ist der Anteil der Unternehmen, die angaben, dass keiner ihrer Beschäftigten im Home-Office arbeitet, von 76 % (vor der Pandemie) auf 54 % (Juni 2020) gesunken. Somit sehen wir auch im Gewerbe eine Steigerung von 22 % derjenigen Unternehmen, die trotz den bekannten Herausforderungen entschieden haben, den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu bieten von zu Hause aus zu arbeiten. 

Die Umfragen und Studien in den letzten Monaten zeigen deutlich einen Trend: die Zahl der Mitarbeitenden im Home-Office steigt erheblich. Die Corona-Pandemie und die Infektionszahlen haben maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Arbeitsmodelle und die Anzahl der Personen , die von zu Hause aus arbeiten. Das Home-Office oder hybrides Arbeiten sind in Zukunft zunächst schlichtweg nicht mehr wegzudenken.  

Ist das Home-Office ein Generationen-Thema? 

Mit Blick auf die Generation Z und Millennials, die in wenigen Jahren die Mehrheit des Arbeitsmarktes ausmachen, hat Zenjob im Mai 2021 die Studie “Future of Work” mit rund 1.200 Teilnehmenden der Generation Z und 500 Millennials in Deutschland befragt. Ziel ist es einmal näher zu definieren, was sich Arbeitnehmende, die nach 1995 geboren sind, vom Berufsleben und dem Arbeitsplatz erhoffen und wünschen. 

Im Rahmen eines Rankings, konnten die Teilnehmenden bewerten, was ihnen in einem Beschäftigungsverhältnis wirklich wichtig ist. Besonders großen Wert legen die jungen Arbeitnehmenden auf die Unternehmenskultur. Ihnen ist eine offene Kommunikation  wichtig, um die Möglichkeit zu nutzen, neue Ideen und Konzepte einzubringen und sich im Job frei zu entfalten. Auf Position zwei liegt tatsächlich das Gehalt, was in der Vergangenheit und auch in der Zukunft wohl immer ein entscheidender Faktor bleiben wird. Weitere Themen, welche die Arbeitnehmenden beschäftigt sind, Nachhaltigkeit, soziale Engagement und die allgemeinen Unternehmensstrukturen wie Diversität, flache Hierarchien und Firmenevents. 

Wie steht es um das Thema Home-Office, flexible Arbeitszeiten oder andere Arbeitsmodelle der Zukunft? Bei diesem Thema sind die jungen Teilnehmenden gespalten: die Hälfte der Befragten wünschen sich feste Arbeitszeiten, die anderen wünschen sich Flexibilität im Arbeitsalltag. Generell ist die Eigenständigkeit für viele der Teilnehmenden besonders wichtig. 83 % gaben an, dass sie es bevorzugen ihre Arbeitszeit selber einzuteilen. Es zeigt sich allerdings, dass die selbständige Organisation auch eine große Herausforderung darstellen kann, denn jeder zweite der Befragten gab an, dass das in der Realität häufig nicht unbedingt zum Erfolg führt. 

Bedürfnispyramide der Generation Z 
  1. Privatleben (69 %) 
  2. Flexibilität (55 %) 
  3. Identifikation mit dem Unternehmen (55 %) 
  4. Vielfältige Aufgaben (53 %) 
  5. Sicherheit des Arbeitsplatzes (45 %)
  6. Digitalisierung und Fortschrittlichkeit des Unternehmens (25 %) 

Beim genauen Blick auf Generation Z wird deutlich, dass die Karriere zwar ein wichtiger Teil im Leben ist, aber nicht das oberste Ziel. Dieser Meinung sind tatsächlich zwei Drittel aller Teilnehmenden. Zukünftig werden Arbeitgeber wohl nicht darum herumkommen, den Arbeitnehmenden die Freiheit einzuräumen, ihr Leben und auch ihre Tätigkeit aktiv mitgestalten zu lassen. 

Wie sieht die Zukunft der Arbeitsgesellschaft aus? 

Es wird immer deutlicher, dass die Notwendigkeit bestehen wird, individuelle Arbeitsmodelle mit den Beschäftigten auszuhandeln. Die Lösung besteht darin, die Wünsche der Mitarbeitenden abzufragen, einzubinden und zu erfüllen. Mit dem richtigen Einsatz von Kommunikationsmitteln kann das jedem Unternehmen gelingen. 

Sind alle Mitarbeitenden im Home-Office, leidet häufig die interne Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden oder im gesamten Team. Es ist daher sinnvoll beispielsweise Videokonferenzen, regelmäßige Feedbackgespräche, E-Mail und Chatportale zu nutzen, um den Austausch zwischen den Beschäftigten aufrechtzuerhalten.  Doch auch außerhalb der vier Wände ist es sinnvoll, denn Mitarbeitenden einen Anreiz zu bieten zusammen zukommen, sich auszutauschen und das Teamgefühl zu stärken. In Zukunft wird es von großer Bedeutung sein, die Büroräume, falls vorhanden, attraktiv zu gestalten, um den Mitarbeitenden den Raum zu bieten, in direkten Kontakt miteinander zu treten. Eine attraktive Büroausstattung und ein Angebot an Benefits vor Ort können an der Stelle der erste Schritt in die richtige Richtung sein.  Arbeitgeber ohne Büroräume sollten auf virtuelle Kommunikationsmittel setzten, um den unternehmensinternen Austausch langfristig zu sichern. 

Arbeitgeber werden in Zukunft sehr viel mehr auf die Arbeitnehmenden eingehen müssen, um die Zufriedenheit im Unternehmen zu stärken. Die Wettbewerbssituation um Fachkräfte verstärkt den Druck auf Unternehmen und die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden werden immer diverser und anspruchsvoller. 

Fazit 

Aktuellen Studien und Umfragen zeigen einen deutlichen Trend: das Arbeiten im Home-Office hat in den letzten Monaten stark zugenommen, ob in Wissensberufen oder dem verarbeitenden Gewerbe. Die Zahl der Mitarbeitenden, die von zu Hause aus arbeiten, steigen deutlich. Mit Blick auf die Zufriedenheit derjenigen, die zumindest teilweise im Home-Office arbeiten, wird auch deutlich, dass dieses Arbeitsmodell nicht unglücklich macht, ganz im Gegenteil, die Zufriedenheit der Mitarbeitenden nimmt sogar zu. 

In gewisser Weise ist das Home-Office zwar ein Generationen-Thema, aber Unternehmen, die sich auf die Zukunft vorbereiten wollen, sollten sich den Entwicklungen des Arbeitsmarktes stellen – und hier geht es nicht nur um die Fragen, Home-Office ja oder nein. In Zukunft müssen sich Arbeitgeber besonders auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden fokussieren und auf diese eingehen.  Unternehmen können sich nicht mehr darauf verlassen, dass Mitarbeitende angetrieben werden, um Karriere zu machen oder im Unternehmen aufzusteigen, es geht vielmehr um Selbstverwirklichung und Entscheidungsfreiheit am Arbeitsplatz.  

Die Frage ist also nicht, ob es sich hier nur um einen Trend handelt, sondern wie wir die Zukunft mit diesem Arbeitsmodell gestalten müssen. Denn Home-Office ist Teil unserer zukünftigen Arbeitsgesellschaft und schon heute für viele Arbeitnehmenden nicht mehr wegzudenken. Um die Zukunft als Unternehmen idealerweise gestalten zu können, müssen Arbeitgeber das Angebot und die Arbeitsbedingungen an die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden anpassen und viele Faktoren beachten. Die Wahl ob Home-Office, Office-Präsenz, hybrides Arbeitsmodelle – Unternehmen und Arbeitnehmende stehen vor vielen unterschiedlichen Möglichkeiten den Arbeitsalltag so angenehm wie möglich zu gestalten.

Arbeitnehmenden im Home-Office sollten zukünftig von einem umfassend rechtlichen Schutzsystem profitieren, um die Arbeitssicherheit auch am heimischen Arbeitsplatz zu sichern. Das bedeutet, dass auch die Politik zukunftsorientiert Entscheidungen treffen muss, bezüglich Versicherungen, Rechtslage, Steuersysteme, Zuschüsse für Heimarbeit und vieles mehr.  

Derzeit gibt es keine rechtlichen Regelungen, die den Arbeitnehmenden schützen. Für die Arbeit im Home-Office muss beispielsweise nicht einmal der Arbeitsvertrag angepasst werden und eine Zusatzvereinbarung reicht in der Regel aus. Mitarbeitende erhalten also trotz erhöhter Kosten, wie zum Beispiel einer besseren Internetverbindung, neuer Büroausstattung oder höheren Mietpreisen aufgrund eines zusätzlichen Büroraumes,  keinen Home-Office-Zuschlag oder ähnliches. Arbeitgeber müssen eigenständig entscheiden, ob und in welcher Art und Weise sie ihre Mitarbeitenden am heimischen Arbeitsplatz unterstützen. Im Rahmen der Unfallversicherung sind Arbeitnehmende bei einem Arbeitsunfall im Home-Office zwar geschützt, aber wenn beispielsweise auf dem Weg zur Toilette oder in die Küche etwas passiert, greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Und damit wird eins klar: nicht nur Arbeitgeber, sondern auch die Politik muss den Schritt in Richtung Zukunft gehen und den Arbeitnehmenden auch im Home-Office den nötigen Schutz bieten. 

 

 
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Die COVID-19 Pandemie hat zwangsläufig dazu geführt, dass eine Vielzahl der Beschäftigten ins Home-Office versetzt wurden und die Wochenarbeitszeit im Büro stark nachgelassen hat. Viele Arbeitnehmende träumen von flexiblen Arbeitszeiten und dem mobilen Arbeiten – und dieser Traum ist für viele jetzt wahr geworden. 

 

Wir wollen wissen, was Mitarbeitende wirklich nach vielen Monaten Home-Office denken. Ist es wirklich ein Vorteil von zu Hause aus zu arbeiten oder hat uns eher die Vorstellung gefallen? Sind die vermeintlichen Vorteile wirklich ein Mehrwert für Mitarbeitenden? Und was müssen Arbeitgeber in Zukunft leisten, um den Anforderungen der Arbeitnehmenden gerecht zu werden? Das und vieles mehr erfährst Du in diesem Artikel!

Das Home-Office bezeichnet den heimischen Arbeitsplatz. In der Regel bezieht sich der Begriff auf die Mitarbeitenden eines Unternehmens, die von zu Hause aus arbeiten. Allerdings bezeichnen auch viele Selbständige und Freelancer ihr Büro in den eigenen vier Wänden als Home-Office. Für das Gelingen von Arbeitsplätzen außerhalb des Büros müssen in der Regel bestimmte technische Mindestanforderungen erfüllt sein, wie beispielsweise eine stabile Internetverbindung oder ein internetfähiges Gerät.

Für viele Mitarbeitende bietet das Arbeiten von zu Hause einen echten Mehrwert. Flexible Zeiteinteilung, freie Wahl des Wohnortes, Zeiteinsparung aufgrund wegfallender An- und Abreise, die Möglichkeit, sich um Familienmitglieder oder Haustiere zu kümmern, sind nur einige der Vorteile, die Arbeitnehmende im Home-Office genießen können. Laut einer repräsentativen Befragung im DAK-Gesundheitsreport 2020 mit 7.000 Erwerbstätige reduziert sich der tägliche Stress der Mitarbeitenden aufgrund Home-Office und digitalen Arbeitslösungen um 29 %.   

 

Ebenfalls profitieren Unternehmen von Home-Office Regelungen: Sie können Ausfälle von Mitarbeitenden aufgrund ausbleibender Infektionen reduzieren, Prozesse durch digitale Lösungen beschleunigen oder Büroräume flexibler nutzen und Kosten für größere Büroflächen einsparen. 

Das Home-Office bietet also nicht nur für Arbeitnehmende, sondern auch Arbeitgeber eine Vielzahl an Vorteilen. Es ist daher keine Überraschung, dass eine aktuelle Umfrage im Dezember 2021 bis Januar 2022 des ZEW Mannheim mit 1200 teilnehmenden Firmen aus der Informationswirtschaft und dem verarbeitenden Gewerbe ergab, dass fast jedes zweite Unternehmen plant, nach der Pandemie ein hybrides Arbeitsmodell anzubieten. Laut dem ZEW-Wissenschaftler Daniel Edsiek, planen 37 % der Unternehmen die Mitarbeitenden drei Tage die Woche ins Home-Office zu schicken – das sind dreimal so viele Unternehmen wie vor Beginn der Pandemie. 

Ist das Home-Office das neue Instrument für die Bindung der Mitarbeitenden und die Stärkung der Zufriedenheit in Unternehmen? 

Eine Studie der Universität Leipzig unter der Leitung von Prof. Dr. Hannes Zacher beschäftigt sich seit Ende 2019 bis heute mit dem Thema Home-Office und wie sich die Meinung der befragten Beschäftigten zu dem Thema entwickeln. Da die Studie noch vor der Corona-Pandemie gestartet ist, bieten die erhobenen Daten einen tollen Vergleichswert und geben Aufschluss darüber,  welchen Einfluss die Pandemie auf unsere Arbeitsgesellschaft und ihrer Entwicklung hat. In der Auswertung kann die gesamte Phase der Pandemie überblickt und näher erforscht werden.  

Im Rahmen der Studie werden jeden Monat rund 1000 Beschäftigte aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen zum Thema Home-Office, Stressempfinden oder der Zufriedenheit im Job befragt. Die Umfragewerte beziehen sich daher jeweils auf die letzten vier Wochen einer Befragungsperiode.

Die Zahl der Erwerbstätigen, die im Home-Office oder zumindest teilweise im Home-Office arbeiten
  • Dezember 2019: 26,8 % → vor Corona
  • Mai 2020: 60,5 % → erster Lockdown
  • März 2021: 64 % → höchste gemessene Zahl im Zeitraum von zwei Jahren (Lockdown 2)
  • Januar 2022: 58 % → aktuelle Zahlen

*Studie der Universität Leipzig – Handelsblatt GmbH, 2022

Die Grafik zeigt deutlich, dass die Zahl der Erwerbstätigen, die im Home-Office oder zumindest teilweise im Home-Office arbeiten im Laufe der Pandemie oder genau wegen dieser, enorm angestiegen ist. Das hängt einerseits natürlich mit den Gesetzten und Pflichten der Arbeitgeber zusammen, um die Belegschaft zu schützen, auf der anderen Seite haben sich Arbeitnehmende an das Home-Office gewöhnt und genießen die damit einhergehenden Vorteile. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Befragten im Januar 2022 angaben, dass ihre Wochenarbeitszeit am heimischen Arbeitsplatz fast 58 % beträgt. Im April 2020 hingegen waren es noch knapp 30 %. Mit dem Blick auf die Zukunft und die Infektionszahlen wird ebenfalls deutlich, dass das Home-Office auch zunächst nicht mehr wegzudenken und für viele Unternehmen zwangsläufig angeboten werden muss, um die Belegschaft vor einer Erkrankung und Infektion zu schützen. 

Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden nimmt tatsächlich in den letzten Jahren etwas zu. So ist der Wert von 3,84 (3 = mittelmäßig zufrieden/ 4 = eher zufrieden) im April 2020 auf 3,97 im Januar 2022 gestiegen. Das macht in Prozent zwar nur eine Steigerung von etwa 2 % aus, aber zeigt, dass die Beschäftigten im Home-Office eher zufrieden als unzufrieden sind. Zudem ist zu beachten, dass auch die Zahl der Arbeitnehmenden im Home-Office stark zugenommen hat und die Zufriedenheit der Beschäftigten gestiegen oder gleich geblieben ist, was verdeutlicht, dass das Arbeiten von zu Hause in den meisten Fällen nicht unglücklich macht. 

Wie ebenfalls eine ClickMeeting Studie zum Thema Home-Office  im Jahr 2021 mit 731 Probanden bestätigt, arbeiten 66 % der Befragten „gerne“ oder sogar „äußerst gerne“ im Home-Office. Nur 9 % sprechen sich gegen das Arbeiten von zu Hause aus. 70 % der Probanden empfinden mobiles Arbeiten als besonderen Vorteil, da die Anreise zum Büro wegfällt und mehr Zeit zum effizienten und freien Arbeiten bleibt.  

Auch ein Blick auf Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes zeigen laut einer Umfrage des ZEW im Juni 2020 eine Steigerung der Home-Office-Lösungen seit Beginn der Corona-Krise. Blue Collar Unternehmen stehen in Bezug auf das Home-Office vor eine sehr große Herausforderung: Die Arbeitnehmenden an den heimischen Arbeitsplatz zu schicken ist häufig nicht möglich, da die Tätigkeiten in der Regel die Präsenz der Beschäftigten erfordert. Doch auch hier ist der Anteil der Unternehmen, die angaben, dass keiner ihrer Beschäftigten im Home-Office arbeitet, von 76 % (vor der Pandemie) auf 54 % (Juni 2020) gesunken. Somit sehen wir auch im Gewerbe eine Steigerung von 22 % derjenigen Unternehmen, die trotz den bekannten Herausforderungen entschieden haben, den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu bieten von zu Hause aus zu arbeiten. 

Die Umfragen und Studien in den letzten Monaten zeigen deutlich einen Trend: die Zahl der Mitarbeitenden im Home-Office steigt erheblich. Die Corona-Pandemie und die Infektionszahlen haben maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Arbeitsmodelle und die Anzahl der Personen , die von zu Hause aus arbeiten. Das Home-Office oder hybrides Arbeiten sind in Zukunft zunächst schlichtweg nicht mehr wegzudenken.  

Ist das Home-Office ein Generationen-Thema? 

Mit Blick auf die Generation Z und Millennials, die in wenigen Jahren die Mehrheit des Arbeitsmarktes ausmachen, hat Zenjob im Mai 2021 die Studie “Future of Work” mit rund 1.200 Teilnehmenden der Generation Z und 500 Millennials in Deutschland befragt. Ziel ist es einmal näher zu definieren, was sich Arbeitnehmende, die nach 1995 geboren sind, vom Berufsleben und dem Arbeitsplatz erhoffen und wünschen. 

Im Rahmen eines Rankings, konnten die Teilnehmenden bewerten, was ihnen in einem Beschäftigungsverhältnis wirklich wichtig ist. Besonders großen Wert legen die jungen Arbeitnehmenden auf die Unternehmenskultur. Ihnen ist eine offene Kommunikation  wichtig, um die Möglichkeit zu nutzen, neue Ideen und Konzepte einzubringen und sich im Job frei zu entfalten. Auf Position zwei liegt tatsächlich das Gehalt, was in der Vergangenheit und auch in der Zukunft wohl immer ein entscheidender Faktor bleiben wird. Weitere Themen, welche die Arbeitnehmenden beschäftigt sind, Nachhaltigkeit, soziale Engagement und die allgemeinen Unternehmensstrukturen wie Diversität, flache Hierarchien und Firmenevents. 

Wie steht es um das Thema Home-Office, flexible Arbeitszeiten oder andere Arbeitsmodelle der Zukunft? Bei diesem Thema sind die jungen Teilnehmenden gespalten: die Hälfte der Befragten wünschen sich feste Arbeitszeiten, die anderen wünschen sich Flexibilität im Arbeitsalltag. Generell ist die Eigenständigkeit für viele der Teilnehmenden besonders wichtig. 83 % gaben an, dass sie es bevorzugen ihre Arbeitszeit selber einzuteilen. Es zeigt sich allerdings, dass die selbständige Organisation auch eine große Herausforderung darstellen kann, denn jeder zweite der Befragten gab an, dass das in der Realität häufig nicht unbedingt zum Erfolg führt. 

Bedürfnispyramide der Generation Z 
  1. Privatleben (69 %) 
  2. Flexibilität (55 %) 
  3. Identifikation mit dem Unternehmen (55 %) 
  4. Vielfältige Aufgaben (53 %) 
  5. Sicherheit des Arbeitsplatzes (45 %)
  6. Digitalisierung und Fortschrittlichkeit des Unternehmens (25 %) 

Beim genauen Blick auf Generation Z wird deutlich, dass die Karriere zwar ein wichtiger Teil im Leben ist, aber nicht das oberste Ziel. Dieser Meinung sind tatsächlich zwei Drittel aller Teilnehmenden. Zukünftig werden Arbeitgeber wohl nicht darum herumkommen, den Arbeitnehmenden die Freiheit einzuräumen, ihr Leben und auch ihre Tätigkeit aktiv mitgestalten zu lassen. 

Wie sieht die Zukunft der Arbeitsgesellschaft aus? 

Es wird immer deutlicher, dass die Notwendigkeit bestehen wird, individuelle Arbeitsmodelle mit den Beschäftigten auszuhandeln. Die Lösung besteht darin, die Wünsche der Mitarbeitenden abzufragen, einzubinden und zu erfüllen. Mit dem richtigen Einsatz von Kommunikationsmitteln kann das jedem Unternehmen gelingen. 

Sind alle Mitarbeitenden im Home-Office, leidet häufig die interne Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden oder im gesamten Team. Es ist daher sinnvoll beispielsweise Videokonferenzen, regelmäßige Feedbackgespräche, E-Mail und Chatportale zu nutzen, um den Austausch zwischen den Beschäftigten aufrechtzuerhalten.  Doch auch außerhalb der vier Wände ist es sinnvoll, denn Mitarbeitenden einen Anreiz zu bieten zusammen zukommen, sich auszutauschen und das Teamgefühl zu stärken. In Zukunft wird es von großer Bedeutung sein, die Büroräume, falls vorhanden, attraktiv zu gestalten, um den Mitarbeitenden den Raum zu bieten, in direkten Kontakt miteinander zu treten. Eine attraktive Büroausstattung und ein Angebot an Benefits vor Ort können an der Stelle der erste Schritt in die richtige Richtung sein.  Arbeitgeber ohne Büroräume sollten auf virtuelle Kommunikationsmittel setzten, um den unternehmensinternen Austausch langfristig zu sichern. 

Arbeitgeber werden in Zukunft sehr viel mehr auf die Arbeitnehmenden eingehen müssen, um die Zufriedenheit im Unternehmen zu stärken. Die Wettbewerbssituation um Fachkräfte verstärkt den Druck auf Unternehmen und die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden werden immer diverser und anspruchsvoller. 

Fazit 

Aktuellen Studien und Umfragen zeigen einen deutlichen Trend: das Arbeiten im Home-Office hat in den letzten Monaten stark zugenommen, ob in Wissensberufen oder dem verarbeitenden Gewerbe. Die Zahl der Mitarbeitenden, die von zu Hause aus arbeiten, steigen deutlich. Mit Blick auf die Zufriedenheit derjenigen, die zumindest teilweise im Home-Office arbeiten, wird auch deutlich, dass dieses Arbeitsmodell nicht unglücklich macht, ganz im Gegenteil, die Zufriedenheit der Mitarbeitenden nimmt sogar zu. 

In gewisser Weise ist das Home-Office zwar ein Generationen-Thema, aber Unternehmen, die sich auf die Zukunft vorbereiten wollen, sollten sich den Entwicklungen des Arbeitsmarktes stellen – und hier geht es nicht nur um die Fragen, Home-Office ja oder nein. In Zukunft müssen sich Arbeitgeber besonders auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden fokussieren und auf diese eingehen.  Unternehmen können sich nicht mehr darauf verlassen, dass Mitarbeitende angetrieben werden, um Karriere zu machen oder im Unternehmen aufzusteigen, es geht vielmehr um Selbstverwirklichung und Entscheidungsfreiheit am Arbeitsplatz.  

Die Frage ist also nicht, ob es sich hier nur um einen Trend handelt, sondern wie wir die Zukunft mit diesem Arbeitsmodell gestalten müssen. Denn Home-Office ist Teil unserer zukünftigen Arbeitsgesellschaft und schon heute für viele Arbeitnehmenden nicht mehr wegzudenken. Um die Zukunft als Unternehmen idealerweise gestalten zu können, müssen Arbeitgeber das Angebot und die Arbeitsbedingungen an die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden anpassen und viele Faktoren beachten. Die Wahl ob Home-Office, Office-Präsenz, hybrides Arbeitsmodelle – Unternehmen und Arbeitnehmende stehen vor vielen unterschiedlichen Möglichkeiten den Arbeitsalltag so angenehm wie möglich zu gestalten.

Arbeitnehmenden im Home-Office sollten zukünftig von einem umfassend rechtlichen Schutzsystem profitieren, um die Arbeitssicherheit auch am heimischen Arbeitsplatz zu sichern. Das bedeutet, dass auch die Politik zukunftsorientiert Entscheidungen treffen muss, bezüglich Versicherungen, Rechtslage, Steuersysteme, Zuschüsse für Heimarbeit und vieles mehr.  

Derzeit gibt es keine rechtlichen Regelungen, die den Arbeitnehmenden schützen. Für die Arbeit im Home-Office muss beispielsweise nicht einmal der Arbeitsvertrag angepasst werden und eine Zusatzvereinbarung reicht in der Regel aus. Mitarbeitende erhalten also trotz erhöhter Kosten, wie zum Beispiel einer besseren Internetverbindung, neuer Büroausstattung oder höheren Mietpreisen aufgrund eines zusätzlichen Büroraumes,  keinen Home-Office-Zuschlag oder ähnliches. Arbeitgeber müssen eigenständig entscheiden, ob und in welcher Art und Weise sie ihre Mitarbeitenden am heimischen Arbeitsplatz unterstützen. Im Rahmen der Unfallversicherung sind Arbeitnehmende bei einem Arbeitsunfall im Home-Office zwar geschützt, aber wenn beispielsweise auf dem Weg zur Toilette oder in die Küche etwas passiert, greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Und damit wird eins klar: nicht nur Arbeitgeber, sondern auch die Politik muss den Schritt in Richtung Zukunft gehen und den Arbeitnehmenden auch im Home-Office den nötigen Schutz bieten. 

 

 
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